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1. Aachener Metaethik-Workshop 2010 (15. – 19. März 2010)


Veranstalter: Philosophisches Institut der RWTH Aachen

Leitung: PD DR. Oliver Hallich (Düsseldorf)

Das Philosophische Institut der RWTH Aachen lädt interessierte Studierende und Doktoranden zum 1. Aachener Metaethik-Workshop ein. Der fünftägige Workshop soll fortgeschrittenen Studierenden eine Möglichkeit bieten, sich eingehend mit den wichtigsten Positionen und Problemstellungen der zeitgenössischen Metaethik zu beschäftigen.

ZUM WORKSHOP

Nachdem metaethische Fragestellungen und Debatten in der deutschsprachigen Moralphilosophie lange Zeit stiefmütterlich behandelt worden sind, kommt ihnen gegenwärtig eine zunehmende Bedeutung zu. Dies zeigt nicht zuletzt die wachsende Zahl von Forschungsprojekten, die in den letzten Jahren im Bereich der Metaethik durchgeführt worden sind.

Gerade für Studierende ist der Zugang zur Metaethik jedoch kein ganz leichter: Einführende Veranstaltungen zur Metaethik sind an deutschen Universitäten nach wie vor selten; es liegt bis heute keine einschlägige deutschsprachige Einführung in die Metaethik vor; und wer sich der metaethischen Debatte auf eigene Faust zu nähern versucht, sieht sich vielen miteinander verwobenen Problemen und einer kaum überschaubaren Menge von Positionen gegenüber. Hinzu kommt, dass die Begriffe, die zur Bezeichnung dieser Positionen gebraucht werden, so uneinheitlich verwendet werden, dass sie die Orientierung eher erschweren als erleichtern.

Ziel des 1. Aachener Metaethik-Workshops ist es, Studierenden, mit moralphilosophischen Vorkenntnissen anhand klassischer und neuerer Grundlagentexte einen Einstieg in metaethische Grundpositionen und ihre Weiterentwicklungen zu vermitteln. Im Mittelpunkt des diesjährigen Workshops werden Texte von Alfred Ayer, John Mackie, Harold Prichard, Richard Hare und Allan Gibbard stehen. In den kommenden Jahren soll der Workshop in einer Weise fortgesetzt werden, die auf den so erworbenen Grundlagen aufbaut und eine vertiefte Auseinandersetzung mit einzelnen Theorien bzw. Theoriefamilien erlaubt.

Ein zusätzliches Ziel des Workshops besteht darin, Studierende mit Philosophen in Kontakt zu bringen, die aktiv im Bereich der Metaethik forschen. Die Leitung des Workshops wird daher Philosophen übertragen werden, die gerade ein umfangreicheres metaethisches Forschungsprojekt durchführen oder ein solches Projekt in der jüngeren Vergangenheit durchgeführt haben. Diese werden den Workshop mit einem Vortrag zu ihrem Forschungsthema beschließen.

Der diesjährige Workshop wird von PD Dr. Oliver Hallich (Düsseldorf) geleitet. Oliver Hallich ist nicht nur ein ausgewiesener Kenner der Theorie Richard Hares, sondern hat auch unlängst mit seinem Buch „Die Rationalität der Moral. Eine sprachanalytische Grundlegung der Ethik“ eine umfangreiche eigene Studie zu den zentralen Fragen der Metaethik vorgelegt.

PROGRAMM

1. Tag (Mo, 15.3.10):

  1. Einführung in das Thema (Klärung der Grundbegriffe – Was ist analytische Philosophie? – Sprachanalyse und Ethik – Verteidiger und Kritiker des metaethischen Programms – Überblick über Theorienbildungen im Bereich der Metaethik).
  2. „Sein“ und „Sollen“: Das Naturalismusproblem (Moores Kritik des „naturalistischen Fehlschlusses“ – Das Argument der offenen Frage – Der Neonaturalismus).  Textgrundlage: G.E. Moore, Principia Ethica, Kap. I, Abschn. 10-14; ergänzend: Textauszüge von Ph. Foot und J. Searle.

2. Tag (Di, 16.3.10): Intuitionismus und Emotivismus

  1. Der Intuitionismus (Vertreter des frühen Intuitionismus: Prichard und Ross – Kritik des Intuitionismus – Der „neue Intuitionismus“). Textgrundlage: H. Prichard: „Beruht die Moralphilosophie auf einem Irrtum?“. In: G. Grewendorf/G. Meggle (Hrsg.): Seminar: Sprache und Ethik, Frankfurt a.M. 1974, 61-82.
  2. Der Emotivismus (Die Frühform des Emotivismus: A. Ayer – Der Emotivismus Ch. Stevensons – Emotivismus und Irrationalismus). Textgrundlage: A. Ayer, Sprache, Wahrheit und Logik, Stuttgart 1970, Kap. VI; ergänzend: Auszüge aus Stevenson, Ethics and Language.

3. Tag (Mi, 17.3.10): Hares Universeller Präskriptivismus

  1. Hares Universeller Präskriptivismus: Metaethische Grundlagen (Hares „dritter Weg“ zwischen Kognitivismus und Nonkognitivismus – „Gut“ und Wählen – Universalität als formales Merkmal moralischer Urteile?). Textgrundlage: Hare: Die Sprache der Moral, Kap. VIII und IX.
  2. Das Verfahren der Normbegründung: Begründung des Utilitarismus (Das „Schuldnerbeispiel“ – Begründung als eliminatives Verfahren – Kritiker Hares: Tugendhat, Williams). Textgrundlage: Hare, Freiheit und Vernunft, Kap. VI.

4. Tag (Do, 18.3.10): Anwendungen des Universellen Präskriptivismus

  1. Hare über Abtreibung als Problem der angewandten Ethik (Das „Existenzverhinderungsargument“ – Abtreibung und die Rechte möglicher Personen – Gibt es eine Fortpflanzungspflicht?). Textgrundlage: R. Hare: Abtreibung und die Goldene Regel. In: A. Leist (Hrsg.): Um Leben und Tod, Frankfurt a.M. 1990, 132-156.
  2. Zusammenfassende Diskussion zum Universellen Präskriptivismus und zum Verhältnis von Metaethik und Moralbegründung (Kritiker Hares: Tugendhat und Williams – Zum Verhältnis von Metaethik und normativer Ethik – Das Relativismusproblem aus metaethischer Perspektive).

5. Tag (Fr, 19.3.10): Neuere Entwicklungen in der analytischen Ethik

  1. Mackies Irrtumstheorie (Mackies Antirealismus – Zur Debatte zwischen Realismus und Antirealismus – Der „neue Naturalismus“). Textgrundlage: J. Mackie: Ethik. Die Erfindung des moralisch Richtigen und Falschen, Kap. 1.
  2. Neuere Grundlagendiskussionen (Jüngere Entwicklungen in der analytischen Ethik: Neuer Expressivismus und „Quasi-Realismus“ – Perspektiven der analytischen Ethik). Textgrundlage: A. Gibbard: An Expressivistic Theory of Normative Discourse. In: Ethics 96 (1986), 472-485; ergänzend: A. Gibbard: Moral Feelings and Moral Concepts. In: R. Shafer-Landau (Hrsg.): Oxford Studies in Metaethics I, Oxford 2006, 195-215.

Abschlussvortrag (Fr. 19.3.10): Ist Moral lehrbar?

 

WEITERE INFORMATIONEN

Der Workshop findet statt in der Pausenhalle (Bibliothek) des Philosophischen Instituts der RWTH Aachen (Eilfschornstr. 16). Für jeden der fünf Workshop-Tage sind zwei Sitzungen vorgesehen. Die Vormittagssitzung beginnt um 11 Uhr und endet um 13 Uhr. Die Nachmittagssitzung beginnt um 16 Uhr und endet um 18 Uhr.

Die Teilnahmegebühr beträgt 10 €. Die Gebühr umfasst die Verpflegung mit Getränken an den fünf Tagen des Workshops sowie einen Reader mit allen Texten, die im Rahmen des Workshops diskutiert werden. Dieser ist ab sofort in der Bibliothek des Philosophischen Instituts erhältlich.

Anmeldungen und weitere Fragen richten Sie bitte an: Daniel Eggers, Philosophisches Institut der RWTH Aachen (daniel.eggers@rwth-aachen.de). Das Passwort für die obigen Texte erhalten Sie ebenfalls hier.


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